es Weihnachtet sehr…

Nach längerer “kreativer Pause” gibt’s wieder Nachrichten aus Peru:

Den Empfang in der Botschaft hab ich gut hinter mich gebracht und auch das europäische Filmfestival ist überstanden.

Am Sonntag gab es ein weiteres gesellschaftliches “Highlight”: Red Bull LLeva LLeva

Dieses von Red Bull gesponserte Event kann man als eine Art peruanisches Seifenkistenrennen interpretieren:

90 Mototaxis (eine Art peruanische Rischkas, 3-rädrige mehr oder weniger verkehrsfähige Vehikel) versuchen möglichst schnell einen Parcours mit Kurven und Sprüngen zu überwinden, ohne dass ihr Gerät dabei in die Einzelteile zerfällt. War natürlich ein Heidenspaß! Hier gibt’s ein paar Bilder:

Ein peruanischer Actionfilmfan wollte am Wochenende diverse Filmtricks in der Realität umsetzen, scheiterte dann aber an gewissen „Details“:

Er stürmte mit einer Pistole und einer Sprengstoffgürtel-Atrappe eine Bank in einem belebten Viertel und nahm 30 Geiseln. Soweit so gut, aber nun: Was fordern?
Er erinnerte sich, dass die in den Filmen auch immer große Summe verlangten, also mal bitte 2 Millionen US-Dollar.
Ok, was nun? Ach ja, man muss ja wieder rauskommen… Dann bitte mal einen Hubschrauber (den Piloten hat er vergessen zu erwähnen). Oder nein, besser doch einen BMW (ein Mercedes war ihm wohl nicht gut genug!?).
Und nun kommen noch die banalen Dinge, die in den Filmen nie erwähnt werden: Was tun, wenn der Hunger kommt? Genau: Man bestellt 5 Brathühner!
Und damit’s nicht langweilig wird hat die peruanische Polizei 7 Stunden mitgespielt. Danach hatten sie endlich alle Scharfschützen postiert, realisiert dass der Sprengstoffgürtel doch nur Plastik war und einigten sich auf einen Plan: Es wird gestürmt!

Resultat: Ein Toter Geiselnehmer und eine verletze Geisel (wurde von einem Polizisten angeschossen!).

Tja, auch so kommt man zu Ruhm…

Auch sonst gibt es hier in Lima einige Schildbürger:

Die Bezirksverwaltung meiner Wohngegend hat mal kurz entschlossen, die Straße in der ich wohne „aufzuwerten“, also ein paar Grünstreifen anzulegen und Verkehrshindernisse einzubauen, damit alles noch langsamer geht.

Die erste Idee war, die Fahrspur von 1,5 Autobreiten (in Lima haben 2 Autos Platz ;-) ) auf 0,7 Autobreiten (also knapp 1 Auto in Peru) zu verschmälern – wie in Zukunft LKWs durchkommen sollen, hat sich wohl noch niemand überlegt.
Zweiter Streich: Es werden Rampen (nicht nur große Schwäler, wie sonst üblich) in die Fahrspur eingebaut, damit der (nicht vorhandene) Zebrastreifen erhöht erscheint.
Dabei haben sich die Arbeiter & Ingenieure so gut abgesprochen, dass sie auf beiden Kreuzungen der Straße (Ein- und Ausfahrt) zugleich arbeiten und natürlich alles blockieren. Resultat: Alle Autos, die vor den Arbeiten in der Straße standen bleiben in der Straße bis die Arbeiten beendet sind (kann Tage, aber auch Wochen dauern – man weiß ja nie) und alle, die draußen sind bleiben draussen…

Ähnlich schlau war die Stadtverwaltung bei der Installation „intelligenter Ampeln“ ( = grüne Welle) auf mehreren Hauptverkehrsrouten von Lima: Die Ampeln werden erstmal vorsorglich abgeschaltet um zu sehen, wie der Verkehr „ungeregelt“ fließen würde (und das bei Kreuzungen mehrerer 3-4-Spuriger Straßen!). Dann besinnt man sich der Polizei (dein Freund und Helfer) und beordert Streifenpolizisten zur Regelung des Verkehrs. Um jedoch das Budget nicht unnötig zu belasten schickt man am besten junge, unerfahrene Polizisten raus: Die können noch was Lernen, haben vielleicht noch einen letzten Rest von Energie und/oder Ehrgeiz und kosten vor allem nur den gesetzlichen Mindestlohn (ca. € 130.- pro Monat).
Resultat: ein größeres Chaos als je zu vor, der Stresspegel der Autofahrer am Limit und die neue Fahrtdauer für 5 Blocks (ca. 500 Meter) beträgt nun ca. 30 Minuten!

Bei all diesen Herausforderungen im Strassenverkehr werd‘ ich mir wohl noch länger kein Auto zulegen und weiterhin mit Taxis durch die Gegend fahren (vor allem, wen diese so billig sind wie hier).

Natürlich ist auch hier in Peru die Weihnachtszeit eingekehrt und der Kaufrausch beherrscht die Bevölkerung. Statt Wham`s “Last Christmas” laden hier Salsa und Reggaeton zum Kaufwahn ein und die Kreditkartenfirmen frohlocken – denn für sie ist Weihnachten und Ostern zugleich: Zinsraten von 10-17 % MONATLICH versüßen ihnen die Feiertage…
Für Santa Claus (oder Papa Noel wie der Coca-Cola-Weihnachtsmann hier heißt) lassen die Peruaner auch ihr geliebtes Hühnchen stehen und kaufen in Scharen Truthahn – jaja, der nordamerikanische Kommerz hat es auch in diese Ecke geschafft.
Als “europäischen Einfluss” gibt es um diese Zeit hier Panetton in rauen Mengen zu kaufen – eine Art italienischer Christstollen, den man hier kiloweise verdrückt.
Christbaum und Krippe gibt es auch hier, aber da die Peruaner nicht so geduldig sind bauen sie diese schon Anfang Dezember in ihren Häusern auf, die (nochmals dank des Kommerzes “Made in USA”) möglichst mit bunten und grellen Lichtern und Figuren geschmückt werden – es kann nie zu kitschig sein.
Wenigsten gibt es hier den Vorteil, dass man Weihnachten bei angenehmen 25°C genießen kann und sich im Meer erfrischen kann, währen man in anderen Erdteilen mit den Schneemassen zu kämpfen hat.

Beim nächsten Mal werde ich hoffentlich noch weitere Weihnachtsgeschichten und lokale Bräuche erzählen können.

Also dann, Frohe Weihnachten und schöne Grüße aus Lima!

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1 Response to “es Weihnachtet sehr…”


  1. 1 Eva December 11, 2010 at 9:21 am

    Wie immer ein toller Bericht. Da kommen wieder Erinnerungen hoch… :)
    Hätte mir gedacht, dass der Verkehr zunehmend besser geregelt wird… Wie schnell kommt man eigentlich mit dem Metropolitano von A nach B? Schon mal eine Fahrt mitgemacht?


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