Lebenszeichen – Proof of Life

Nach fast vier Monaten ohne Nachricht von mir wird’s dringend Zeit, dass ich mich wieder einmal melde und ein „Lebenszeichen“ von mir gebe.

Vorweg: Mir geht es gut, bin gesund und fleißig am Arbeiten :-)

Was ist seid meinem letzten Eintrag passiert?

Im Dezember gab’s den Weihnachtstammtisch der Österreicher (inkl. Glühwein, Vanillekipferl und „Stille Nacht“), danach ein paar Wochenenden am Strand im Süden Limas und schließlich Neujahr.

Sowohl der Heilige Abend als auch Silvester wurden hier in Peru mit Feuerwerken und Freudentaumel zelebriert und verursachten, neben einem riesigem Müllberg, erwartungsgemäß viele Verletzte aufgrund von Verkehrsunfällen und fehlgeleiteten oder fehlerhaften Feuerwerkskörpern (diese werden zum Teil in Eigenregie in Hinterhöfen hergestellt und sind natürlich dementsprechend gefährlich).

Anfang Jänner nahm ich mir ein paar Tage Urlaub und flog mit meiner Freundin in den Norden Perus, wo wir ruhige Strände  genießen konnten, lokale Delikatessen probierten und typische Tongegenstände kauften, vor allem uns aber vom Stress der peruanischen Hauptstadt erholten.

Zurück in Lima wurde offensichtlich, dass der neue Bürgermeister im Amt ist und als eine der ersten Amtshandlungen überprüfte er gleich mal das Budget und die öffentlichen Bauten seines Vorgängers. Und wie es nicht anders zu erwarten war: Die „verkehrsberuhigende Maßnahme“  in meiner Straße war eine Verschleierungsaktion für ungerechtfertigte Entnahmen aus der Gemeindekasse: Vor Ende der Amtszeit wurde einfach wild drauf los gebaut um den Eindruck zu erwecken, dass der Bürgermeister viel getan hat und somit natürlich auch viel Geld verbraucht hat. Allerdings stellten die beteiligten Firmen (natürlich alle befreundet mit dem Bürgermeister) überhöhte Rechnungen aus und verwendeten billigstes Material obwohl teures verrechnet wurde. Resultat: Die Bauten sind nach wenigen Wochen (!) bereits in Mitleidenschaft gezogen (Risse im Beton, Farbe hält nicht, …) und müssen ersetzt werden. Nebenbei wurde auf das Gießen der neuen Grünflächen „vergessen“ weshalb diese insgesamt 4 mal ersetzt werden mussten.

Der neue Bürgermeister hat dem ganzen Spaß ein Ende bereitet und ließ die meisten dieser Bauten (inklusive der „verkehrsberuhigenden Maßnahmen“) wieder abreisen, da durch diese Bauten die Unfallgefahr gestiegen ist und sie sowieso bereits baufällig waren. Nach nunmehr 3 Monaten Baustelle wird schön langsam überlegt, wie man denn die Strasse „aufwerten“ könnte… Mein Vorschlag: Asphaltieren wäre mal eine Idee (Bauschutt und Schlaglöcher sollten natürlich zuvor beseitigt werden)…

Peru ohne (Dauer)Baustellen wäre ja langweilig ;-)

Was gibt’s sonst noch neues?

In 2 Wochen (am 10. April) finden die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Nachdem Peru ein ähnliches Präsidialsystem wie Frankreich oder die USA hat (starker Präsident, Bundeskanzler nur „Verwaltungsperson“)  sind diese Wahlen sehr bedeutend für die Zukunft des Landes. Und die verordnete Wahlpflicht (Strafe bei Nichtwählen: ca. € 40.-) sowie das „Ley Seca“ („Trockene Gesetz“ = Landesweites Alkoholverkaufs- und Ausschankverbot am Tag vor den Wahlen sowie am Wahltag selbst) sorgen dafür, dass die Bevölkerung diese Wahlen auch ernst nimmt. Wie immer bei Wahlen gibt es natürlich ein paar „bunte Hunde“ und ein paar ernsthafte Kandidaten, wobei alle sehr korruptionsanfällig sind (der Geist ist stark aber…). Und die gegenseitigen Schmutzkübelkampagnen machen den Wahlkampf richtig unterhaltsam. Auch die Wahlkampfversprechen in Peru können sich sehen lassen: Von „Alles Gratis für Alle“, „1A-Bildung“ etc. bis hin zu „Peru den Peruanern“ ist alles dabei.

Aktuelle Ereignisse werden ebenso zur Eigenpromotion genutzt (Erdbeben in Japan: Ein Kandidat (!) hat den dort lebenden Peruanern bereits die Präsidentenmaschine (!) für den Heimflug zur Verfügung gestellt) wie die politische und private Vergangenheit der anderen Kandidaten ausgeschlachtet (Präsidiale Feiern mit riesigen Whiskey-Mengen, Korruptionsskandale, Doppelstaatsbürgerschaften etc.).

Und so nebenbei werden alle Strassen mit überdimensionalen Wahlplakaten zugepflastert, damit man auf den Kreuzungen auch garantiert nichts mehr sieht! Und da Wahlplakate nicht reichen, werden Parteisymbole und Wahlsprüche auch auf Hausmauern, Fabriksgebäuden und sogar Felsen angebracht.

Der peruanische Wahlkampf ist richtig „bunt“.

So nebenbei werden fast täglich Meinungsumfragen veröffentlicht, die je nach (politischem) Eigentümer oder Auftraggeber die einzelnen Kandidaten gewinnen oder verlieren sehen.

Bei so viel Stress in Lima hab ich mich letztes Wochenende mit ein paar gleichgesinnten in die Berge verabschiedet: ca. 2 Fahrtstunden ausserhalb Limas gibt es abgelegene Andentäler, die Natur pur und Entspannung bieten. Da fährt man natürlich nur ungern wieder zurück nach Lima. Aber das nächste Wochenende kommt bestimmt!

Hier gibt’s ein paar Impressionen des Jänner-Urlaubs sowie der Wanderung vom letzten Wochenende:

Hoffe, euch genügt diese kleine „Update“ als Lebenszeichen meinerseits – bis zum nächsten Bericht wird hoffentlich nicht mehr so viel Zeit vergehen. :-)

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1 Response to “Lebenszeichen – Proof of Life”


  1. 1 Heidi April 10, 2011 at 8:47 pm

    Hej Hubert,

    schau hie u. da mal auf deine Seite. Echt lässig und witzig geschrieben. Viel spaß noch u.hasta luego (oder so ähnlich ;) )

    Glg,
    Heidi (alias frühere unimc kollegin)


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